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Alt 22.11.2018, 11:10   #1867
Helios
Inventar

 

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Zitat von viennatourer Beitrag anzeigen
Aber führt nicht das Gegenteil dessen,genau in Richtung des bekannten Toleranz-Paradoxon ,welches sich dann zwangsläufig daraus ergibt ?
"Zwangsläufig" ergibt sich das nicht, sondern es kann sich im schlimmsten Fall daraus ergeben, dann, wenn die intoleranten Ansichten jeglichen sachlichen Diskurs unmöglich machen und eine unmittelbare Gewaltbereitschaft zur Durchsetzung zu erkennen ist. Und das ist, da stimme ich dir zu, bei den Hasspredigern und vielen ihrer indoktrinierten Anhängern der Fall - denen darf man keine Toleranz entgegen bringen und muss aktiv, in unserem Rechtsstaat also primär mit entsprechenden Gesetzen und deren Durchsetzung, entgegen wirken.
Diese durchaus richtige Verweigerung der Toleranz gegenüber Intoleranten darf allerdings nicht als Ausrede oder Pauschalargument für jegliche Form freiheitlicher Einschränkung gegenüber Gruppen von Menschen dienen, aus denen heraus sich eine Gefahr rekrutiert, oder denen grundsätzlich eine intolerante Geisteshaltung nachgewiesen oder unterstellt wird.

Deshalb kann eine Verschärfung der Gesetzgebung und immer weiter gehende Einschränkung nicht die einzige oder bestimmende Aktion sein, wenn es tatsächlich um die Lösung der Probleme geht. Denn die liegt nicht bei der kurzfristigen Beseitigung von Gefahrenquellen, sondern bei der langfristigen Beseitigung intoleranter Denkweisen an sich. Und das funktioniert nicht über Gesetzgebung, sondern eher über Bildung und Wohlstand (auch auf die Gefahr hin, dass nur dieses Wort wieder für eine Gegenargumentation missbraucht wird).

Zitat:
Zitat von viennatourer Beitrag anzeigen
Soll sich noch jemand auskennen mit denen,bzw.wer weiß, was da vielleicht im Hintergrund wieder auf -diplomatischer-Ebene ausgehandelt wurde.
So schwer ist das aber nicht. Die Abschiebung war widerrechtlich, weil im Ausland unter anderem Folter drohte. Mit der diplomatischen Zusicherung, darauf zu verzichten, ist der rechtliche Einwand gegen die Abschiebung weggefallen und die Abschiebung selbst rechtskonform.


Zitat:
Zitat von Bushido Beitrag anzeigen
Ich verstehe nicht, warum man den Islam, der regelrecht gesetzeswidrig mit den hiesigen Gesetzen ist, verteidigen will
Von einigen Verblendeten abgesehen will das eigentlich (fast) keiner, bloß gibt es weder den Islam noch eine eindeutige, von Innen heraus entstandene Trennung zwischen einem religiösen Glauben, der aufgeklärt und modernisiert sich der weltlichen Autoritäten unterordnet, und einer klassischen, über den weltlichen Regeln stehenden religiös geprägten grundsätzlichen Weltanschauung, wie ihn der institutionalisierte Islam im Kern heute noch weitgehend vertritt mit dem öffentlichen Hinweis, trotzdem die weltlichen Regeln im öffentlichen Leben zu respektieren. Unter den Moslems selbst gibt es diese Trennung aber.

Ich kenne selbst durchaus etliche Moslems, die zur ersten Gruppe gehören und einen sehr modernen Islam leben, der vollauf mit meinem Verständnis von Religionsfreiheit verteidigungswürdig ist. Ich kenne auch das Gegenteil. Und bei denen liegt letztlich das Problem, nicht bei ersteren. Das macht es sehr schwierig, über "den Islam" zu sprechen.

Zitat:
Wenn ein Muslim Allah nicht uneingeschränkt gehorcht, aber sich als Muslim bezeichnet, dann ist er nach dem Koran kein Muslim.

Wenn wir also von Muslimen reden, dann sind jene Muslime gemeint, die den Koran vor der hiesigen Verfassung stellen.
Damit machst du dir aber die Argumentation derer zu eigen, die meinen über eine Religion Deutungshoheit ausüben zu können. Ich brauche dir ja sicherlich nicht erzählen, dass der Koran selbst nicht nur sehr widersprüchlich, sondern auch zwingend auf Interpretationen angewiesen ist (selbst durch jene, die meinen, ihn Interpretationslos wörtlich zu nehmen). Und unter den Interpretationen gibt es ja durchaus auch sehr fortschrittliche, die eben andere Definitionen für einen Muslim aus dem Koran ableiten.

Wenn ich also über Muslime rede, dann beschränkt sich das nicht auf jene, die sich selbst anmaßen darüber bestimmen zu können, wer ein Muslim ist, sondern alle, die ihrerseits von sich behaupten, ein Muslim zu sein (was letztlich ja ein Eckpfeiler der Religionsfreiheit ist). Und ich bin damit sicherlich nicht allein, auf jeden Fall nicht auf einer sachlichen Diskussionsebene.
Vielleicht wäre es ein Anfang, wenn wir den allgemeinen Begriff für jene Muslims, auf die du dich beziehst und die tatsächlich eine gesellschaftliche Risikogruppe und, sofern sie radikalisiert sind, ein gesellschaftliches Problem darstellen, weiter fassen als er bisher gefasst wurde: es geht um Islamisten, und dazu sollten auch jene zählen, die ohne irgendwelche radikalen Absichten politische Komponenten (primär aber nicht ausschließlich gesetzgebende Hoheit) als Kern ihrer Religion sehen.
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Once upon a time in the west...
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Prometheus94 (22.11.2018)