Bibliothek - Geheimsache Wirtschaft

Trinity

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Das Google-Copy-Paste-Syndrom

Wie Netzplagiate Ausbildung und Wissen gefährden

Verlag Heinz Heise
192 Seiten, Broschur
16,- EUR (D) / 16,50 EUR (A) / 28,- sFr
ISBN-10 3-936931-37-2
ISBN-13 978-3-936931-37-2
http://www.heise.de/tp/r4/buch/buch_25.html
 

dere

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R.Bischoff: Entmachtung der Hochfinanz

Zu: Entmachtung der Hochfinanz (Reiner Bischoff)

Wenn heute jemand die Absicht hat, die Hochfinanz zu entmachten, dann ist das wohl eine Angelegenheit, der die Mehrheit aller Menschen vollen Erfolg wünschen dürfte. Auf jeden Fall wird hier nicht nur eine der wichtigste Kardinalfragen unserer Zeit berührt, die Entmachtungsabsicht dürfte dazu mit Sicherheit in die richtige Richtung gehen.
Die Frage ist nur, WIE, mit welcher Taktik sich dieses so wichtige strategische Ziel erreichen lässt und man knüpft hier thematisch an einen schon seit Jahrhunderten währenden Streit zwischen den Anhängern von Marx und Gesell an, in dem es über die Grenzen und Möglichkeiten des marktwirtschaftlichen Modells als zukunftsfähiges System geht.
Nach der marxistischen Analyse ist das System der sogenannten "Freien Marktwirtschaft" stets untrennbar mit der Kapitalistenherrschaft, also der des "Großen Geldes" über den Rest der Welt verbunden und man forderte deshalb (wohl zu Recht) eine (ggf. "revolutionäre") Verstaatlichung aller Großbetriebe, des Großgrundbesitzes, aller wichtigen Einrichtungen und Besitztümer.
Im Gegensatz dazu glaubte Silvio Gesell damals an die Möglichkeit, mit einer Reform des Währungssystems (welches statt auf dem klassischen Zinseszinsmechnismus auf "schnell alterndes" Geld innerhalb seiner "Freiwirtschaftslehre" setzte) unter Beibehaltung der Markwirtschaft, eine überlebensfähige halbwegs gerechte Witschaftsordnung errichten zu können.
Einen breiten Raum nimmt daher der praktische Versuch des historisch-legendären "Experiments von Wörgl" ein, bei dem tatsächlich etwa ein Jahr lang ein florierendes, regional-freiwirtschaftliches Geldsystem während der damaligen Welwirtschaftskrise erfolgreich als Parallelwährung erprobt wurde, bevor es die österreichischen Regierung auf Druck der Banken verboten hat.

Allerdings war das andere, ja einige Jahrzehnte währende und ein Viertel der Menschheit umfassende Experiment der sozialistischen Planwirtschaft nach Ansicht des Buchautors keine echte Alternative, da es kein großes Privateigentum an Produktionsmitteln zuließ und es also keine sich selbst regulierende Marktwirtschaft, sondern eine dirigistische Staatwirtschaft gab. Da dieses andere wirtschaftspolitische System inzwischen kaum noch existiert, lässt sich natürlich über die Ursachen des Zusammenbruchs streiten: Wurde man dort einfach "totgerüstet", war es ein Werk der falschen, weil korrupten Führungspersonen oder hatten da vor allem gewisse undurchsichtige Mafia- und Geheimdienststrukturen ihre Hände im Spiel...?
Sicher ist unbestreitbar, dass in der Realität der kapitalistischen Marktwirtschaft die Effektivität weit höher war und ist als ihre Konkurrenz; aber es ist ja dabei auch zu berücksichtigen, dass all dies auf Kosten wachsender sozialer Härte und Ungleichheit geschieht und sich echte Lebensqualität nicht allein durch hohe Warenkonsumtion usw. messen lässt.
Dass für die Bürger im heutigen Deutschland das System der Planwirtschaft und der volkseigenen Betriebe grundsätzlich als "marode" verschrien ist, wird - trotz teilweise sicher berechtigter Kritik - wohl vor allem der in den Medien als Weltanschauung bewusst und unbewusst dominierenden "Siegerjustiz" zu verdanken sein, denn die Möglichkeit der Synthese beider Systeme durfte und konnte es bei der "Wiedervereinigung" ja schon aus politischen Gründen nicht geben.
Es ist ja leider ein Bestandteil dieser berechtigten Kritik, dass es innerhalb der Länder des "real existierenden Sozialismus" ein sehr hohes Maß an Einmischung der politischen Führung in konkrete wirtschaftliche Angelegenheiten gab und sie erfolgte sicher nicht nur im Interesse der arbeitenden Massen.
Dennoch dürfte das Grundprinzip, dass zumindest die Schlüsselindustrien, Großbesitz, Energie, Verkehr usw. der ganzen Gesellschaft und nicht nur begüterten Gruppen oder Einzelpersonen gehören, höchst vernünftig, progressiv, humanistisch und entwicklungsfähig sein.

Dagegen ist das gegenwärtige kapitalistische System aus den verschiedensten. auch im Buch angeführten Gründen (z.B. weil hier gesetzmäßig arm u. reich immer weiter auseinanderdriften, die Konsummaximierung Umwelt und nationale Kulturen zerstört usw.) als Langzeitoption alles andere als zukunftsfähig.
Sicher wäre eine allgemeine Währungsreform nach Gesell ein Schritt in die richtige Richtung, aber es ist anzunehmen, dass er dabei schon an der "Machtfrage" scheitern würde, denn alle politische, militärische oder "ideologische" Macht geht ja letztlich, auch wenn die Mechanismen i.A. dem Volk verborgen bleiben, von der nationalen wie internationlen Hochfinanz aus und es ist anzunehmen, dass sie diese, solange keine zwingenden Gründe dagegensprechen, wohl auch effektiv zum Machterhalt einsetzen. Und sollte es dennoch in einzelnen Landern Verstaatlichungen, Revolutionen, wirksame Reformen oder zuviel unerwünschte nationale Eigenständigkeiten geben, werden mächtige Militärs und Geheimdienste offiziell und im Verborgenen schon dafür sorgen, dass es einen Umsturz oder wenn das nicht möglich ist, eine Militärinvasion gibt, selbst wenn die Gründe dafür mehr als nur fadenscheinig (siehe Irak) sind.
Wenn also heute irgendwo auf der Welt eine Regierung an die Macht kommen würde, die ein derartiges freiwirtschaftliches Währungssystem einführt, welches wie durch ein Wunder nicht in Jahresfrist zusammenbricht und dort also spürbar den Einfluss der großen nationalen wie internationalen Kapitalgesellschaften mindert, wäre ein Militärschlag oder ähnliches als letztes Mittel vorprogrammiert; schon um zu verhindern, dass ein derartiges gefährliches Beispiel Schule machen und im Dominoeffekt das Gesamtsystem stören könnte.

Wahrscheinlich gibt es nur wenige Ereignisse oder Szenarien, die eine derartige Intervention (sei es nun von einer Großmacht oder einem seiner Satelliten) verhindern und einen ökonomisch-ökologischen wie gesellschaftlichen Strukturwandel ermöglichen würden.
Eine allseits verbreitete und bestätigte Information von einer dauernden Kontaktaufnahme mit einer oder mehreren ausserirdischen Zivilisationen könnte allerdings mit seinen gravierenden Auswirkungen auf Denken und Bewusstsein ein derartiges Ereigniss sein und einen positiven Wertewandel stark fördern. Dies natürlich unter der Annahme, dass evtl. ebenfalls existierende, kosmische "Negativkräfte" im Falle einer umfassenden Information über Natur, Gesellschaft und die menschliche Identität diese letztlich die schlechteren Argumente besitzen...
Ein anderes gravierendes Ereigniss wäre eine allgemein offensichtliche, nicht mehr zu verharmlosende bzw. umkehrbare ökologische oder Naturkatastrophe, die dann ggf. sogar die Hochfinanz (sofern sie noch aus souveränen, frei denkenden Menschen besteht) zu Vernunft und Umkehr zwingen könnte.
Dagegen ist der lang erwartete und vorhergesagte Zusammenbruch der Weltbörse, verbunden mit all den ungedeckten, auf falschen Versprechungen beruhenden Papiergeld-Inflationssystemen wohl vergleichsweise harmlos. Er dürfte dann zwar zu globalem Chaos, nie dagewesenem Hunger u.a. Katastrophen führen aber es wäre immerhin ein Fortbestehen der Menschheit als Ganzes möglich, die dann auch die Chance hätte, sich auch grundsätzlich neue gesellschaftlich-ökonomische Strukturen zu geben. Beim letzen großen Zusammenbruch 1929 gab es ja keinen derartigen Strukturwandel und es ist klar, dass es bei Beibehaltung gegenwärtiger Zinseszinz-Prinzipien immer wieder gesetzmäßig neue zyklische Währungs-Zusammenbrüche geben muß. Es dürfte einleuchten, dass alternative Wirtschafts und Währungsstrukturen gerade in einer Zeit der Umbrüche, eines "Machtvakuums", relativ erfolgreich sein dürften.

Bleibt nur die Frage, welcher der hier möglichen Wege bzw. "Neuanfänge" der Bessere ist: Vor allem, für WEN ist er der Bessere, für eine Gruppe, eine Nation oder für alle...
Wichtig ist wohl der Grundsatz, dass die Macht, die eine "fiktive Gruppe" von Menschen (denen die Zukunft der Menschheit tatsächlich wichtiger ist als jedes Gruppeninteresse) real hat, auch genutzt wird, um erkennbaren künftigen Gefahren möglichst vorzubeugen.
Die Kernfrage ist hier also, will man eine de fakto "auf ewig" in arm und reich gespaltene, bzw sozial auseinanderdriftende Gesellschaft in Kauf nehmen oder strebt man eine diesbezügliche Nivellierung der Unterschiede an. Bei Gesell wird eine derartige Spaltung ja nicht aufgehoben, sie wird lediglich durch bestimmte Mechanismen etwas vermindert (aber auch nur dann, wenn auch parallel eine spürbare echte Bodenreform auf Dauer durchgesetzt wird - was aber aus genannten Gründen zu bezweifeln ist). Also wäre der Marx-Ansatz, bei dem auf die Entmachtung der Hochfinanz eine halbwegs gerechte Neuaufteilung des "Reichtums" zugunsten der Allgemeinheit erfolgt, grundsätzlich der Bessere. Allerdings sollte man hier die diesbezüglich überall auf der Welt begangenen großen und kleinen Fehler auch kritisch analysieren und möglichst nicht wiederholen.
Eine zukunftsfähige Gesellschaft müßte natürlich zunehmend effektiv und zunehmend offen und tolerant sein, so dass für Machtmißbrauch und Korruption jede gesellschaftliche Grundlage fehlen; also eine echte Mitbestimmung aller bzw. der Belegschaften. Neben dieser Transparenz ohne Geheimdiensteinfluss darf es keine großen oder gar wachsenden sozialen Unterschiede, auch nicht im oder zum Machtapparat geben. Die individuellen Unterschiede im Bildungsniveau sollten letztlich dazu führen, dass Führungsrollen in Politik, Wirtschaft usw. als "Ehrenamt" angestrebt werden; was aber voraussetzt, dass ein ausreichend hoher Versorgungsstatus z.B. auch mit notwendigen Konsumgütern für alle besteht.

Eine entwickelte Gesellschaft dürfte auch weder eine Rüstungindustrie noch spürbare Militärpräsenz besitzen und benötigen, ihr Schutz besteht vor allem aus dem Vertrauen, dass die Bevölkerung in eine Gesellschaftsstruktur hat, die ausnahmlos allen sowohl Arbeit, Gesundheit, Sicherheit und Würde als auch eine Zukunftsperspektive wachsender Gerechtigkeit gibt. Wichtig ist, dass sich die Mitbestimmung nicht auf das Wählen von Parteien oder Personen erstreckt, schon weil die vielen Manipulationsmöglichkeiten gewisser undurchsichtiger Querverbindungen im Wahlzirkus praktisch unbegrenzt sind. Durch geeignete Mittel und Kontrollmöglichkeiten, z.B. Referendum, Volksabstimmungen, Internet) sollte also das Volk direkten Einfluss auf die konkrete Gestaltung der Politik und Wirtschaft nehmen können, damit die "Machtfrage" gesichert und vor Gruppeninteressen bzw. machtgierigen Intreganten aller Art dauerhaft geschützt ist.

Ein Teilbereich des erwähnten Buches setzt sich auch sehr kontrovers mit der Gestaltung der Nationalitäten-Politik auseinander und es wird deutlich gegen ein "Multi-Kulti" polemisiert. Solange dies eine Kritik der gegenwärtigen Globalisierungspolitik vor allem der multinationaler Konzerne ist mag diese wohl auch berechtigt sein und es stimmt wohl auch, dass gewissermaßen ein "Ausverkauf" der nationalen Kulturen in Richtung einer internationalen Kultur des "Goldenen Kalbes" der angestrebten Eine Welt-Regierung stattfindet.
Dennoch ist die zunehmende globale Verschmelzung der Kulturen sicher ein objektiver Prozess, der auf verschiedenen Ebenen und aus verschiedenen Gründen stattfindet und es kommt nun darauf an, unter welchen Bedingungen, mit welchen positiven oder negativen Nebenwirkungen er sich vollzieht. Das so konzipierte "Europa der Vaterländer" wäre ggf. eine Möglichkeit des in die Länge gezogenen, "sanften" Zusammenwachsens ohne all die gegenwärtigen Migrationsprobleme; allerdings dürfen hier die berechtigten Interessen aller Beteiligten nicht außer Acht gelassen werden, denn sonst entsteht schnell eine Atmosphäre von gegenseitgem Mißtrauen oder Hass.
Auf jeden Fall sind die regional gewachsenen Kulturen etwas Erhaltenswertes; es kommt darauf an, gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit auch das Nebeneinander eine Bereicherung sein kann, ohne dass es dabei zur existenziellen Konfrontationen kommt. Wenn die Gesellschaft so beschaffen ist, dass das "Wolfsgesetz" stets dafür sorgt, dass der Schwächere gefressen wird, dass Gewalt und Krieg praktisch zum Alltag gehören, dann ist ein friedvolles Nebeneinander natürlich kaum realisierbar.
 
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