Das Tulsa-Massaker

Zwirni

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Im Jahr 1921 soll in Tulsa, USA, ein afroamerikanischer Junge in einem Fahrstuhl eine weiße Frau belästigt haben. Er wurde daraufhin verhaftet. Weiße Anwohner forderten, vermutlich angestachelt durch entsprechend formulierte Zeitungsausgaben, seine Herausgabe und belagerten das Gefängnis. Afroamerikanische Bewaffnete Männer wollten der Polizei gegen die Weißen helfen - im Gerangel löste sich ein Schuss und das Unheil nahm seinen Lauf: innerhalb von wenigen Stunden starben über 300 Menschen, fast ausschließlich Afroamerikaner. Das als "Black Wall Street" bekannte Stadtviertel Greenword wurde komplett niedergebracht. Viele angrenzenden Gebäude wurden ebenfalls zerstört oder beschädigt, sogar eine (von weißen genutzte) Schule und eine Kirche. Als die Nationalgarde am nächsten Morgen eintraf waren die meisten Täter bereits geflüchtet - die Soldaten halfen beim Löschen der Brände in den verbliebenen Ruinen. Viele Leichen wurden größtenteils in unkenntlichen Massengräbern verscharrt.

Dieses Massaker gilt heute als eine der heftigsten Rassenunruhen in den USA und geriet für viele Jahrzehnte erstaunlicherweise in Vergessenheit - selbst in Tulsa. Viele Schwarze wollten aus Angst vor weiteren Übergriffen nicht darüber sprechen, manche auch aus Scham da sie nicht glauben konnten wie weit so etwas kommen konnte.

Erst 1995 nach dem Bombenangriff in Oklahoma, bei dem über 160 Menschen starben, meldete in einer Anhörung erstmals ein afroamerikanischer Anwalt einen Einspruch bzgl. der Aussage zum Ausmaß des Ereignisses in Oklahoma. Das Massager in Tulsa wäre viel blutiger gewesen, weshalb man Oklahoma nicht verbal Überhöhen sollte. Im Anschluss kamen alle paar Jahre neue Details zum Massaker zu tage. Enkel sprachen erstmals mit ihren Großeltern, die direkt darauf angesprochen, vom Massaker berichteten - teils aus eigenem Erleben, teils aus Hören-Sagen. Einige die 1921 selbst noch Kinder waren, berichteten davon, dass viele Dutzend Menschen plötzlich aus ihrem Umfeld verschwanden - ihre Eltern sagten ihnen sie wären weggezogen.

Der aktuelle (weiße) Bürgermeister von Tulsa ist in dem Ort aufgewachsen und hat erst im 2. Jahr seiner Amtszeit von dem Massaker in seiner Stadt erfahren. Zu deinem Erstaunen wusste sein Großvater auch etwas darüber, hat nur nie darüber gesprochen.

Erst in den letzten 10 Jahren kam reichlich Bewegung in die Dokumentation und Aufarbeitung des Ereignisses. Vor Ort finden seit 2 Jahren Ausgrabungen statt, vor allem um die Personen aus den Massengräbern per DNA-Tests zu identifizieren (oder zumindest Verwandte zu finden und ihnen ihren Frieden zu geben). Angeführt von der ältesten Überlebenden (105 Jahre) klagt eine Gruppe aus Überlebenden und Angehörigen derzeit auch gegen Tulsa.

Es gibt dazu inzwischen auch einige TV-Dokumentationen die auf ABC und anderen amerikanischen Sendern immer mal wiederholt werden. Ich finde es erstaunlich wie wenig Erinnerung ein so gewaltsames Ereignis in einer Bevölkerung hinterlassen hat. Über 11.09.01 sprechen wir auch nach 21 Jahren noch - das Massaker von Tulsa wurde sprichwörtlich vergessen.
 

infosammler

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Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich selber im Büro
Ja ich auch, bin da von der Schule nachhause und meine Mutter hats mir gesagt und ich bin dann zu einem Freund am NM und da liefs dann im TV.
Den Tag vergesse ich auch nicht, obwohl is mich zu diesem Zeitpunkt gar nicht berührte, ich denk ich war da zu jung und unbedacht. Aber Jahre später und etwas älter, traffs mich dann sehr emotional.

Das ist zumindest die "gute" Seite an unserer Zeit, es bleibt viele präsent. Das war bei diesem Tusla Massaker wohl der Fall. Kein Bildmaterial und wenn man es nicht öffentlich bzw offen Aufarbeitet, geräts in Vergessenheit.

Und btw., sowas darf auch nie in Vergessenheit geraten.
 
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