Tesla & Elon Musk

Yvannus

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Wir haben ja bereits einen Thread zum Thema Amazon und an der ein oder anderen Stelle wird ja auch über Arbeit, Arbeitsverhältnisse, Burnout etc. gesprochen.
Da wundert es mich, dass Tesla und Elon Musk bisher keinen eigenen Thread haben, also starten wir den doch mal.

Vielleicht vorweg, Elon Musk ist der Typ Mensch, den ich wirklich grundlegend nicht packe, daher kann es sein, dass ich an der ein oder anderen Stelle nicht neutral bin. Dies vorweg .


Nähert man sich Elon Musk und Tesla, dann wird es schwierig zwischen Hype, der Person Musk, dem Unternehmen Tesla und den übrigen Abenteuern wie SpaceX zu trennen. Ich selber schwanke da zwischen Bewunderung und Abscheu, sowohl was die Person Musk als auch die Unternehmen betrifft. Sicherlich ist es beeindruckend, wie er mit seiner Schnodderigkeit Dinge vorantreibt, gleichzeitig zeigt sich auch ein Wille zur Macht, ein Wille zur Beeinflussung und das zu jedem Preis.

Neben den gehypten Themen wie den Marslandungsvorhaben oder generell dem Vorantreiben der E-Mobilität, kommt es doch auch immer wieder zu unschönen, ich sage mal "Amazon-esken" Auswüchsen:

Frontal21 berichtete über die Gigafabrik (man könnte es halt auch Werk oder Fabrik nennen...) die in Brandenburg geplant ist.
Lässt man mal den Streit um die Benamsung (Berlin vs Brandenburg) weg, dann bleiben vor allem drei Themen:
1. Umweltschutz und Wasserverbrauch in einem eh schon durch Trockenheit bedrohten Gebiet in Deutschland
2. Scheinbar dient sich die Politik hier an ohne wirklich die eigenen Regeln bzgl. Bebauung, Umweltschutz, generelle Auflagen einzuhalten
3. Musk findet Berichterstattung, zumal negativ, ziemlich doof und ist eine beleidigte Leberwurst. Aber halt eine mit Milliarden und genug Druckmitteln, da die Politik sich ja schon recht tief gebückt hat.

Der Beitrag von Frontal21:
https://www.zdf.de/politik/frontal-...tempo-tesla-elon-musk-in-brandenburg-100.html

Fand er dann nicht so cool, musste gleich auf Twitter breit getreten werden:


Woher kennt man das?



Anyway. Was ich noch viel beunruhigender finde ist das Thema Arbeitnehmerrechte. Gewerkschaften, Tarifverträge, Arbeitszeitgesetze etc. findet man bei Tesla nicht so prall. Das zeigt sich z.B. hier:







In einer Zeit in der auch bei uns Gewerkschaften schwächeln (aus zig Gründen, viele selbstverschuldet) und sowas viel Solidarität eher dem Neid gewichen ist und viele gezwungen sind (oder es nicht anders kennen) 40h+ ohne Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld bei 20 Urlaubstagen zu hackeln, kommt natürlich so eine Gigafabrik zur Unzeit. Zumal ich befürchte, dass auch hier seitens der Politik viel Freiraum in Sachen Arbeitsrecht gewährt wird, wenn nichts tragisches passiert. Also noch mehr Hamsterrad, noch mehr Union Busting, noch mehr Menschen, die sich kaputt arbeiten.

Wie ist dnen so euer Blick auf Tesla, Elon Musk und seine Ideen?
 

Gorgo

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eigentlich cooler typ... hat schon mal live gekifft in einer sendung... das macht ihn also in meinen augen sympathisch:), außerdem hatte er keine leichte kindheit soviel ich weiß, und hat es zu was gebracht.

aber, seine produkte sind halt doch nur für die gstopften... was ihn wieder unsympathisch macht.

ich frag mich auch:
braucht man ihn also?
 

Yvannus

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Ehrlicherweise soll er wegen mir Produkte für MIlliarde machen. Alles gut. Jeder will Geld verdienen und sich verwirklichen.

Sehe eben vor allem das Problem darin, dass für die Erzeugung dieser Produkte und die Umsetzung seiner Visionen einiges an Raubbau betrieben wird. Klar kann man sagen: Die Gewerkschaften jammern immer. Genauso die Ökos.

Mir kannst auch vorwerfen, dass ich prinzipiell erstmal arbeitsscheu bin und für mich auch heute gilt: "Freitag ab eins, macht jeder seins". Vielleicht begeistert er ja einfach diese Menschen, sodass sie so viel für ihn und seine Vision geben, bin da aber skeptisch. Weil seine Milliarden müssen ja von irgendwo herkommen.
 

Gorgo

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ja eben, er is ja selber milliardär...:) hat er nicht mal vor kurzem bill gates im ranking überholt... oder is bezos nr.1 k.a.

naja, meine meinung, soll ja jeder millionär sein, aber, sobald sich da mal tausende von millionen anhäufen... aber ich will ja da jetzt kein fass aufmachen.

und seine e-autos...

Tesla Model 3 (2019):
preis ab 43.390 oironen... pfuh... nicht wenig. jahresgehalt von einem gut bezahlten job. wer soll sich das also leisten. das muss alles viel günstiger werden. aber da is ja in 20 jahren nicht viel passiert wie es scheint.

da denk ich an eine 7. bezirk bobo-kleinfamilie - unter der woche sich um niemanden scheren, aber am wochenende dann mit dem tesla zum weinbauern fahren und den wein direkt dort abholen... wäh.
 

Helios

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Ich glaube das Hauptproblem bei Musk ist, ihn mit europäischen Augen zu betrachten. Auf der einen Seite kennzeichnen seine Unternehmen jene Form des ausbeuterischen Turbokapitalismus, der hierzulande als Wurzel von vielem Übel in der Welt gilt, auf der anderen Seite hat er mit seinen Ideen inzwischen die Welt sehr deutlich umgekrempelt und wird ihr in Zukunft noch viel mehr ihren Stempel aufdrücken. Und das nicht nur zum Wohle der Reichen, sondern durchaus der ganzen Menschheit. Seine grundsätzliche Einstellung, erst machen dann Fragen, im Zweifel einfach ausprobieren und wenn es schief geht weiter machen ist so oder so nicht neu, aber gerade in den USA vor allem bei jungen Unternehmen und Unternehmern zu finden und mit der zurückhaltenden, übervorsichtigen europäischen und insbesondere deutschen (bzw. deutschsprachigen, ich glaube so unterschiedlich sind wir Deutsche und Österreicher uns da nicht) Gedankenwelt vermeintlich nicht in Einklang zu bringen ist. Wobei ich damit nicht die Menschen meine, sondern die politischen und organisatorischen Vorgaben und Abläufe. Denn es ist ja durchaus ersichtlich, dass viele und gerade jüngere mit einer solchen Herangehensweise wenig oder keine Probleme haben. Auch bezüglich Grünheide habe ich inzwischen häufiger aus ganz unterschiedlichen Richtungen mitbekommen, dass da der deutsche Amtsschimmel mal wieder dem Fortschritt im Wege steht, was natürlich eine oberflächliche Betrachtung ist, aber doch in einen wichtigen Teil des Gesamtbildes darstellt.

Ich persönlich habe es nicht so mit dem Personenkult, der sich um solche Persönlichkeiten immer aufbaut (egal ob Gates, Musk, Jobs oder Co.), aber das will ich ihm nicht anlasten, auch wenn er es natürlich befeuert. Für mich ist er ein wahnsinniger Visionär, ein wahnsinniger Geschäftsmann, aber eben vor allem ein Wahnsinniger, und das sowohl positiv wie auch negativ.

Aufgrund meines eigenen beruflichen Hintergrund ist meine erste Assoziation beim Namen Musk im übrigen SpaceX, nicht Tesla, wobei er mit beiden bereits jetzt seine Spuren in der Geschichte hinterlassen hat.
 
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