Entdeckten die Chinesen Amerika?

Zwirni

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Der Original-Artikel ist jetzt online, inklusive eines Bildes der Karte von 1418.

http://www.economist.com/books/displaystory.cfm?story_id=5381851

Faszinierend


@darkangel1211: ne, die Chinesen waren die ersten. Und zwar um 1200 v.Chr. War wahrscheinlich eine Flüchtlingswelle aus China welche zu dieser Zeit zur Bildung der Olmeken-Kultur führte. Aber ist bisher nur Theorie
 

GrayFox

Gschaftlhuber
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In meiner Wohnung. ;)
Da bin Ich ja mal echt gespannt was dabei herauskommt!
Wenn die Karte wirklich echt sein sollte ist das wohl eine sensation.
Die Chinesen vor Columbus auf Amerikanischen Boden!
Na ob ihm das gefallen würde?
 

Zwirni

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Die o.g. Karte ist von 1736. Sie ist allerdings eine Kopie einer älteren Karte aus dem 13. oder 14. Jahrhundert. Das steht zumindest als Kommentar auf ihr drauf. Dies ergaben die Untersuchungen der letzten Monate an der Karte. Fazit: es gibt da eine Karte die vermutlich (!) wirklich auf eine Erforschung Amerikas vor den Europäern durch Chinesen hinweist. Rätsel bleibt bestehen.

http://www.taz.de/pt/2006/03/24/a0130.1/text
 

Accursius

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Man sollte sich in der Diskussion von dem Begriff "entdecken" verabschieden, da er sich immer auf die subjektive Wahrnehmung des jeweiligen "Entdeckers" bezieht.

Natürlich hat Columbus Amerika "entdeckt" - aus Sicht der südwesteuropäischen Seefahrernationen seiner Zeit, auf deren Kenntniserlangung letztlich die weitere geschichtliche Entwicklung bis heute basiert. Natürlich haben die Wikinger Amerika "entdeckt" - aber nur aus Sicht der skandinavischen Kultur des hohen Mittelalters und historisch letztlich folgenlos. Eventuell haben auch die Chinesen Amerika "entdeckt" - aber ebenfalls nur aus ihrer eigenen kulturellen Perspektive und historisch insoweit folgenlos.

Der Umstand, dass eine bestimmte Erkenntnis zu anderer Zeit an anderem Ort bereits vorhanden war, aber wieder verloren ging, schmälert nicht die Leistung eines späteren (Wieder-)"Entdeckers".

Was Amerika betrifft, darf man zudem nicht übersehen, dass das Erreichen des "neuen" Kontinents sowohl über den Atlantik aus Europa als auch über den Pazifik aus Ostasien bereits für viele seefahrende Völker der Antike ohne weiteres technisch möglich gewesen wäre. Angesichts des Umfangs der antiken Schiffahrt in Europa und Asien ist es auch durchaus wahrscheinlich, dass verirrte oder maneuvrierunfähige Schiffe vereinzelt die amerikanischen Küsten erreicht haben könnten - vielleicht rührt daher die bei vielen Völkern vorhanden gewesene vage Vorstellung von der Existenz eines Landes jenseits des großen Ozeans.

Wenn man die "prä-kolumbischen" Seereisen nach Amerika (in Abgrenzung zur vorangegangenen, auf dem Landweg erfolgten Besiedelung des Kontinents durch die "Indianer") in eine systematische Ordnung bringen wollte, sähe sie grob etwa so aus:


um 1200 v. Chr. afrikanische Stämme
(heutiges Mexiko)
Kontakt wird vermutet aufgrund bestimmter
religiöser Vorstellungen und künstlerischer Dar-
stellungen der Olmeken
keine sonstigen Belege

um 500 v. Chr. Polynesier
(heutiges Kalifornien)
Kontakt wird vermutet aufgrund von Überlieferungen
bestimmter kalifornischer Indianerstämme und
aufgrund linguistischer Parallelen
keine archäologischen Belege


um 100 n. Chr. Römer
(mittlerer Westen Nordamerikas; Küsten Südamerikas)
Reisen werden vermutet aufgrund einzelner nicht
geklärter archäologischer Funde (römische Münzen in
New Albany, angebl. Wrackfund von Guanabara Bay
u. a.; auch: Fund der Darstellung einer Ananas auf
einem Mosaik in Pompeii); von Skeptikern als
Fälschungen oder Zufälle abgelehnt

um 530 n. Chr. St. Brendan bzw. Bran
(Nordwestküste der heutigen USA?)
Die Seereise des irischen Mönchs St. Brendan ist in
legendenhaften Texten überliefert; die Behauptung,
er sei nach Amerika gelangt, stellt eine (tw. religiös
motivierte?) moderne Interpretation dar.
keine archäologischen Belege

um 1000 Leif Eriksson
(Neufundland und nordamerikanische Küste)
relativ gute Quellenlage; gilt als bewiesen und
archäologisch belegt

um 1000 Culdee-Mönche
(heuige US-Staaten Maine oder New-Hampshire)
Mönche des Culdee-Ordens sollen auf der Flucht vor
marodierenden Normannen mit Schiffen den Atlantik
überquert haben und im heutigen Neuengland gelandet
sein. Vertreter der Theorie führen die Steinsetzungen
von Salem, New Hampshire, als Beweis an, die an-
geblich irischen Vorratsspeichern aus der fraglichen
Zeit gleichen sollen. Skeptiker halten die Bauten für
Reste von Farmen des 17. / 18. Jahrhunderts.
 

Accursius

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(Fortsetzung)


1170 - 1174 Madoc von Wales
(Neufundland?)
Nach einer walisischen Legende soll Prinz Madoc im
Jahre 1170 auf der Suche nach Siedlungsland die
nordamerikanische Küste erreicht haben, nach Wales
zurückgekehrt und 1174 mit einer großen Siedler-
gruppe erneut dorthin aufgebrochen sein; danach
habe man nichts mehr von ihm gehört. Madoc hatte
wikingische Vorfahren; seine Motive stimmen mit
denen des Leif Eriksson überein.
keine archäologischen Belege

1178 islamische Seeleute
(Küste Kaliforniens)
In einem chinesischen Dokument wird die Reise isla-
mischer Seeleute nicht näher genannter Herkunft in
ein Land namens "Mu-Lan-Pi" beschrieben, bei dem
es sich der Beschreibung nach um Kalifornien ge-
handelt haben könnte. Die Echtheit des Dokuments
ist umstritten.
keine archäologischen Beweise

um 1315 Abubakari II. (Mali)
(Küste von Brasilien)
Mündlicher Überlieferung zufolge soll der Herrscher
des islamischen afrikanischen Königreichs Mali eine
Atlantikexpedition unternommen haben und nicht
zurückgekehrt sein. Seine Ankunft in Brasilien ist
moderne (politisch oder religiös motivierte?) Speku-
lation.
keine archäologischen Belege

1398 Henry Sinclair, Nicolo u. Antonio Zeno
(Massachusetts)
Eine Gruppe von Seeleuten aus Venedig soll unter
der Leitung des schottischen Adligen Henry Sinclair
Nordamerika erreicht haben. Die Reise ist überliefert
in einem 1558 erschienenen Buch eines Nachkommen
von Zeno. Als archäologischer Beweis wird die Grab-
platte eines Ritters in gotischem Stil angeführt, die
bei Westford, Massachusetts, ausgegraben wurde und
aufgrund einer Wappendarstellung als Grab des Henry
Sinclair angesehen wird. Skeptiker halten das Buch
für eine erfundene Geschichte (zur Begründung vene-
zianischer Kolonialansprüche in Amerika?) und die
Grabplatte für eine Fälschung.

1421 Zheng He
(Küste Nordamerikas)
Die große Expedition des chinesischen Admirals soll
nach modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen die
nordamerikanische Küste erreicht haben; möglicher-
weise folgte sie dabei der Route früherer Fahrten
chinesischer Seefahrer nach Amerika. Funde von Erd-
nüssen und Darstellungen von Maiskolben in China
sprechen für derartige Kontakte. Die Schiffe des
Zheng He waren technisch zu einer Atlantikquerung
in der Lage; auf seine kartographische Erfassungs-
tätigkeit werden die unlängst aufgetauchte "Zheng-He-
Weltkarte" (allerdings eine chinesische "Kopie" aus
dem 18. Jahrhundert) und auch prä-kolumbische
Amerika-Karten aus Europa und dem islamischen
Raum zurückgeführt). Skeptiker halten die
Zheng-He-These für moderne populärwissen-
schaftliche Sensationsmache und die Karten für falsch
datierte Kopien bzw. Fälschungen.
keine archäologischen Belege

1471 - 1473 Ditrik Pining u. João Vaz Corte-Real
(Küste von Labrador)
diffuse Quellenlage; ideologisch überfrachtet
keine archäologischen Belege
 

Accursius

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(Fortsetzung)

Neben diesen einigermaßen seriös diskutierten Fahrten gibt es alle möglichen weiteren Theorien (Kontakte von Phöniziern, Ägyptern, Griechen, germanischen Stämmen etc. besonders mit südamerikanischen Indio-Kulturen). Diese Ideen entbehren aber jeder wissenschaftlichen Basis; vieles davon gehört in den Bereich der Sensationsschriftstellerei oder in die esoterische Ecke.

Eine besondere Stellung nimmt in den USA die Idee ein, es seien um 800 v. Chr. Stämme von Israeliten per Schiff nach Nordamerika gelangt, hätten dort gesiedelt und die indianischen Ureinwohner kulturell oder anderweitig beeinflusst. Hierzu gibt es immer wieder neue, oft eher naive Thesen und angebliche Sensationsfunde, die einer neutralen Überprüfung noch nie wirklich standgehalten haben. Hintergrund des Ganzen sind religiös-patriotische Vorstellungen bestimmter Sekten, die sich natürlich fern jeder Wissenschaftlichkeit bewegen.

Die Glaubensüberlieferung der Mormonen weist einen ähnlichen Kontext auf; sie geht von einer zweiphasigen Einwanderung religiös geführter semitischer Stämme nach Nordamerika und einer komplexen Siedlungsgeschichte aus, die den Zeitraum von etwa 3100 v. Chr. bis 400 n. Chr. umfassen soll. Auch diese Vorstellung hat - man muss es bei allem Respekt vor den religiösen Empfindungen Anderer so deutlich schreiben - mit wissenschaftlich belegten Fakten nichts zu tun.
 

Zwirni

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Und um die schönen Beiträge von Accursius noch um etwas zu ergänzen:

Es wird inzwischen auch vermutet, dass 1491 die Bevölkerungszahl in Amerika über der von Europa lag. Somit hätte ein weitaus bevölkerungsärmerer Kontinent einen bevölkerungsreichen geradezu überrannt. Viele der Städte in Mittelamerika sollen deutlich größer als die größten europäischen Städte gewesen sein (rein von der Bevölkerungszahl her).

http://www.eurekalert.org/pub_releases/2007-03/fiot-pc1030607.php
http://cogweb.ucla.edu/Chumash/Population.html

Was das mit den Entdecker zu tun hat? Nur insofern als dass man sich mal auf eine gemeinsame Sichtweise einigen müsste. "Entdeckt" wurde der Kontinent Amerika wie oben schon gesagt vor mehr als 12.000 Jahren. Beweise dafür gibt es genug inzwischen. Seither siedelten durchweg mehr oder weniger kleine Gruppen Menschen dort. Aus Sicht der Europäer wurde ein "eroberungswürdiger" Kontinent gefunden, zunächst durch die Wikinger, später durch Columbus (weitere Entdecker sind natürlich nicht ausgeschlossen).

http://users.on.net/~mkfenn/page9.htm
http://www.powells.com/biblio/140004006x?&PID=30079
 

Zwirni

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Eine weitere Möglichkeit die Anwesenheit von Chinesen in Amerika zu beweisen: das Gemeine Haushuhn wurde wie neueste Erkenntnisse zeigen nicht von den Europäern auf den Kontinent gebracht. Sie waren schon vorher da und könnten u.a. durch Asiaten dorthin gebracht wurden sein.

http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/278781.html

:gruebel:
 

Zwirni

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In Kentucky wurden vor rund 2 Jahren zwei Jade-Münzen mit chinesischen Zeichen "gefunden". Ihr Alter wird auf zwischen 1000 und 2000 Jahren geschätzt.
http://www.theepochtimes.com/n3/183...se-disk-strangely-found-in-a-kentucky-garden/

Problematisch hieran aus meiner Sicht ist, dass es fast nur die 2 Münzen auf dem Foto gibt - und keine genaueren Informationen zum Finder und wer es zuerst veröffentlicht hat. Die Meldung scheint auf russischen Webseiten besonders weit verbreitet zu sein.

Aber es gibt noch andere Indizien:
In Georgia wurde Mitte letzten Jahres ein chinesisches Schwert gefunden.
http://www.theepochtimes.com/n3/141...re-columbian-chinese-travel-to-north-america/
 

T'Lu R'Galay

erleuchtet
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(Kontakte von Phöniziern, Ägyptern, Griechen, germanischen Stämmen etc. besonders mit südamerikanischen Indio-Kulturen). Diese Ideen entbehren aber jeder wissenschaftlichen Basis;
In einer Dokumentation über die Chachapoya wurde ein ähnlicher Gedanke auch aufgegriffen. Die Chachapoya, auch Wolkenkrieger genannt, galten bei den Spaniern als besonders helle Indianer und gelegentlich gibt es auch Blonde unter ihnen.
Nach dem Sieg über Hannibal sollen gallische Hilfstruppen mit phönizischen Schiffen geflohen und auf dem Atlantik abgetrieben sein. Diese strandeten an der Amazonasmündung und vermischten sich mit Einheimischen. Das daraus entstandene Volk zog den Amazonas hoch und soll der Ursprung der Chachapoya sein. http://www.deutschlandradiokultur.de/verblueffende-funde.950.de.html?dram:article_id=237286

Übrigens haben einige Gestrandete der Zheng He Expedition auch auf einer afrikanischen Insel zu einem Mischvolk geführt.

Vermutlich sind das einfach Episoden in der Menschheitsgeschichte, die eben keinen großen Wandel auslösten und deshalb auch vergessen werden.
 
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Zwirni

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2004 und 2005 fand man in Alaska merkwürdige blaue Perlen deren Herkunft nun bestimmt werden konnte: Venedig. Offenbar handelte es sich um Handelsgut, welches über die Seidenstraße nach China und von da aus bis nach Alaska kam. Aber wann? Darüber sind die Forscher besonders fasziniert: zwischen 1400 und 1480 - also vor Columbus Entdeckung von Amerika. Offenbar wurde Amerika schon vor ihm in den weltweiten Handel mit einbezogen ;)
 
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